Massnahmen zur Umsetzung

Umsetzung ohne Diskriminierung

Zuständig für die Umsetzung der Konvention sind Bund, Kantone und Gemeinden. Dies in Zusammenarbeit mit nichtstaatlichen Fachstellen und Organisationen, die den Grossteil der Unterstützungs- und Schutzangebote im Bereich Gewalt gewährleisten. Damit die Istanbul-Konvention umfassend und für alle Gewaltbetroffenen ohne Diskriminierungen umgesetzt werden kann, braucht es die entsprechenden finanziellen Mittel und eine Verbesserung der rechtlichen Situation der Betroffenen. Die bestehenden Angebote zur Begleitung, Beratung und zum Schutz Gewaltbetroffener wie auch im Bereich Gleichstellung gilt es zu sichern. Wo nötig sind diese Unterstützungsleistungen auszubauen, zu spezialisieren und-/oder neu zu schaffen. Zentral ist es, den Zugang zu Prävention, Unterstützung und Schutz für alle zu gewährleisten und bestehende Hürden aufgrund von bspw. Recht, Sprache oder Wissen abzubauen. Nicht zuletzt sind geschlechtsspezifische und häusliche Gewalt an ihren Wurzeln wie den Geschlechterstereotypen anzugehen.

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Einbezug von Frauen mit Behinderung

Frauen und Mädchen mit Behinderung haben ein markant höheres Risiko, Gewalt zu erfahren, als nicht behinderte Bevölkerungsgruppen. Dennoch werden ihre spezifischen Bedürfnisse in Studien sowie bei Schutzangeboten und Präventionsmassnahmen nicht berücksichtigt. Diese Praxis ist diskriminierend und muss geändert werden.

avanti donne - Interessenvertretung Frauen mit Behinderung

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Gesellschaftliche Diskussion zu Gewalt

Gewalt an Frauen wird in der Schweiz immer noch tabuisiert und verharmlost. Formen struktureller Gewalt werden ausgeblendet oder negiert, diskriminierende Annahmen medial rezitiert. Wir fordern die Dekonstruktion normierender Aussagen und eine breite kritische Sensibilisierung zu geschlechtsspezifischer Gewalt.

cfd — die feministische Friedensorganisation

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Mehr Frauenhausplätze

In der Schweiz bräuchte es 750 Frauenhausplätze, heute sind es 250. Gemäss Polizeistatistik steigen die Gewaltdelikte seit Jahren an. Darum braucht es in allen Kantonen Frauenhäuser, denn jede Frau hat ein Recht auf Schutz vor Gewalt. Eine interkantonale Zusammenarbeitsvereinbarung im Interesse des effektiven Opfer-Schutzes ist dringend notwendig.

Dachorganisation Frauenhäuser Schweiz und Liechtenstein

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Überwindung von Rollenbildern

Auch in der Schweiz gibt es gesellschaftliche Vorurteile und Rollenbilder, die Frauen und Männer in ihrer Entwicklung einschränken und Gewalt gegen Frauen befördern. Deshalb fordern die Evangelischen Frauen Schweiz eine konsequente Gleichstellungspolitik und die Überwindung von überholten Rollenbildern.

Evangelische Frauen Schweiz (EFS)

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Effektiver Zugang zu Schutz

Migrantinnen in prekären (Arbeits)situationen, z.B. in der Sexarbeit oder Hausarbeit, sowie Betroffene von Frauenhandel sind oft isoliert. Sie werden stigmatisiert und haben einen unsicheren Aufenthaltsstatus, was ihren Zugang zu Schutz und Unterstützung erschwert. Auch sie müssen von den Rechten der Istanbul Konvention profitieren können.

Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ)

Aufhebung des Vorbehalts zu AuG Art. 50

Das Ausländergesetz anerkennt das Recht von Opfern häuslicher Gewalt, nach der Trennung in der Schweiz zu bleiben. Aufgrund der oft willkürlichen Anwendung können sie trotzdem ausgewiesen werden. Der Vorbehalt zu Art. 50 muss aufgehoben werden.

Groupe de travail romand «Femmes migrantes et violences conjugales»

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Einführung Mess- und Monitoringsystem

Unbedingt notwendig sind kontinuierliche statistische und qualitative Erhebungen sowie die Entwicklung von Parametern, welche landesweit den Stand und die Verbesserung der Verhältnisse um Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt differenziert erfassen können. Hier sind Anstrengungen notwendig und kreative Ansätze gefragt.

Juristinnen Schweiz

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Konvention als Gleichstellungsinstrument

Geschlechtsspezifische Gewalt wurzelt in Genderstereotypen sowie der Ungleichstellung der Geschlechter. Dies müssen wir als Gesellschaft begreifen, tradieren und angehen. Die Istanbul-Konvention ist ein Instrument für
mehr Geschlechtergleichstellung.
Nutzen wir es!

NGO-Koordination post Beijing Schweiz

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Energische Bekämpfung von Diskriminierungen

Gemäss Istanbulkonvention müssen Diskriminierungen falls nötig mit Sanktionen bekämpft werden. Dies muss auch bei Diskriminierungen im Erwerbsleben geschehen: Lohngleichheit ist kein Schönwetterprogramm, sondern ein Verfassungsauftrag. Die Revision des Gleichstellungsgesetzes bietet die Chance für die kompromisslose Umsetzung.

Schweizerischer Gewerkschaftsbund (SGB)

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Nulltoleranz bei häuslicher Gewalt

Wir vom Schweizerischen Katholischen Frauenbund fordern griffige Massnahmen für eine gesellschaftliche Nulltoleranz von häuslicher Gewalt. Bereits Kinder sollen lernen, ein Nein zu akzeptieren und die Schuld von häuslicher Gewalt und Sexismus im Allgemeinen bei den Tätern (selten Täterinnen) und nicht bei den Betroffenen zu suchen.

Schweizerischer Katholischer Frauenbund (SKF)

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Stärkung der sexuellen Rechte

Sexuelle Übergriffe, weibliche Genitalverstümmelung und Zwangsheirat sind Formen von Gewalt gegen Frauen und bedeuten eine Verletzung der sexuellen Rechte. Wir fordern eine rasche Umsetzung der Istanbul Konvention zur Stärkung der sexuellen Rechte. Sie muss ALLE Opfer von Gewalt und Diskriminierung erreichen.

SEXUELLE GESUNDHEIT Schweiz

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Genügend Ressourcen für Beratung und Schutz

Wir beraten telefonisch, per Email oder auf unserer Beratungsstelle – vertraulich und gratis. Den Betroffenen bieten wir Zuhören, Informationen und Unterstützung an. Frauen und ihre Kinder finden Schutz in unserem Frauenhaus. Damit alle Unterstützung und Schutz erhalten können, braucht es eine ausreichende Finanzierung dieser Angebote.

Solidarité Femmes Fribourg - Frauenhaus Freiburg

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Opferhilfe für geflüchtete Frauen und Mädchen

Geflüchtete Frauen und Mädchen erleben im Herkunftsland oder auf ihrer Flucht Gewalt. Sie haben heute keinen rechtlichen Anspruch auf Opferhilfe in der Schweiz und damit keinen Zugang zu Beratungen, Therapien und anderen Unterstützungen, die von der Opferhilfe finanziert werden. Diese Lücke im Gesetz muss geschlossen werden.

TERRE DES FEMMES Schweiz

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Gewaltschutz für trans Menschen

Der Beitritt zur Istanbul-Konvention ist für trans Menschen ein wichtiger Schritt. Die Konvention ist explizit auf Gewalt aufgrund der „Geschlechtsidentität“ anwendbar. TGNS fordert den Bundesrat und die Kantone auf die notwendigen Massnahmen zu treffen, damit auch trans Menschen vor geschlechtsspezifischer Gewalt Schutz geboten wird.

Transgender Network Switzerland (TGNS)

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Sensibilisierung der Medien

Medien prägen gesellschaftliche Toleranzgrenzen und Wahrnehmungen. Deshalb fordern wir einen staatlich-öffentlichen Auftrag an die Lauterkeitskommission: Die Berichterstattung über Gewalt an Frauen* und die Darstellung von Frauen* und Mädchen muss systematisch auf Sexismus und Gewaltrhetorik überprüft und sanktioniert werden.

Verein Feministische Wissenschaft Schweiz (FemWiss)

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Zufluchtsort für Mädchen und junge Frauen

Wir fordern einfach erreichbare Zufluchtsorte für weibliche Jugendliche, die Gewalt in ihrer Familie und ihrem nahen Umfeld ausgesetzt sind. In der ganzen Schweiz gibt es bis jetzt nur ein solcher Ort. Wir finden diesen Zustand unhaltbar und fordern mehr Schutzraum, auch für die Westschweiz.

Verein MädchenHouse desFilles Biel-Bienne



Die Massnahmen sind nicht abschliessend und werden laufend ergänzt und aktualisiert.